15. September 2015 (2)
Ich hab mir lange überlegt, ob ich was schreiben soll, aber irgendwie verfolgt mich das ein wenig.
Letzten Samstag hab ich mich von einem Kumpel beschwatzen lassen, noch nach Rottweil auf das Stadtfest zu gehen. Die Freundin von meinem Kumpel hatte auch noch ein paar Freunde dabei. Natürlich kam kurz das Gespräch auf das Thema Veganismus. Dabei hat eine schon gesagt, dass sie gerne Fleisch und am liebsten Rind isst. Mir kam das da schon ein wenig provokant vor. Später hab ich dann bei einem anderen Thema, eigentlich nur beiläufig, erwähnt, dass ich gegen die Jagd bin. Das nahm die Person zum Anlass, lautstark zu verkünden, dass sie für die Jagd ist, da es ja zu viele Wildschweine und Füchse gibt. Ich habe versucht zu erklären, dass die Überpopulation auch auf die Jagd zurückzuführen ist. Aber weit kam ich nicht, sie hat mich ständig unterbrochen, und das Thema war auch schnell wieder vom Tisch. Soweit so schlecht, eine Situation wie viele andere auch.
Am nächsten Tag war ich dann wieder mal im Tierheim und bin mit einem Hund spazieren gegangen. Da ich den Morgen ein wenig verpennt hab und das Fitnessstudio ausfiel, nahm ich mir vor, eine größere Runde zu laufen. Ich hab dann immer mal wieder ein paar Wege ausprobiert, die ich noch nicht kannte. Als ich dann in so einen kleinen Trampelpfad einbog, kam ich bei einem Hochsitz raus. Als ich an dem vorbeikam, bemerkte ich eine kleinere Kiste, die mit einer Kette am Boden befestigt war. Neugierig, wie ich nun mal bin, hab ich den Deckel geöffnet und hineingesehen. Da waren aber nur noch wenige Reste von Mais drin. Das war wohl die Stelle, die der Jäger zum Kirren benutzt hat. Ich bin dann weiter und hab neben einem Gebüsch einen Haufen Äpfel gesehen. Ich hab eigentlich nur einen kurzen Blick darauf geworfen, hab dann aber gleich gedacht, dass da was nicht stimmt. Als ich genauer hingeschaut hab, wusste ich, was es war. Vor den Äpfeln lag ein halb verwester Fuchs. Ich bin fast zu Tode erschrocken. Jetzt erst hab ich bemerkt, dass um mich herum überall Knochen lagen. Ich kam mir vor wie in einem schlechten Horrorfilm. Ich konnte das gar nicht glauben. Ich habe mit meinem Handy ein Foto gemacht und wollte dann den Ort des Grauens so schnell wie möglich verlassen. Als ich mich allerdings schon umgedreht hatte, sah ich, dass der Hund, mit dem ich unterwegs war, etwas in der Schnauze hatte. Zuerst dachte ich, es wäre ein Ast, aber als ich es ihm wegnehmen wollte, sah ich, dass es das Bein von einem Reh war. Natürlich hat der Hund nicht auf mich gehört und es nicht von selber wieder ausgespuckt. So musste ich, zum ersten Mal seit ca. zehn Jahren, ein Teil von einem toten Tier anfassen. Was für ein Horrortrip!
Natürlich muss das ausgerechnet mir passieren. Ich schau mir schon seit Jahren keine Gruselfilme mehr an, weil ich das nicht mehr vertrag. Was ich aber am schlimmsten finde, ist, dass so etwas diejenigen, die die Jagd befürworten, vermutlich nie erleben. Denen ist wahrscheinlich gar nicht bewusst, wie der Tod aussieht. Und die werden auch nicht in ihren Träumen von den toten Füchsen verfolgt. Mir geht dieses leichtsinnige Geschwätz über das Töten, egal ob es um die Tierhaltung oder die Jagd geht, immer mehr auf die Nerven. Ich frage mich, warum es denn mich an diese Stelle geführt hat und nicht diejenige, die so etwas befürwortet. Will mir die Vorsehung etwas sagen? Mach ich zu wenig? Ich hab das Gefühl, ich entferne mich immer mehr von dieser Gesellschaft. Solche Tage tragen nicht gerade dazu bei, dass ich mit meiner Umwelt ins Reine komme. Ich glaube fast, dass ich langsam misanthropisch werde …
