29. August 2015

29. August 2015

Ich trete aus der Eingangstür meiner Wohnung ins Freie. Es ist noch dunkel. Obwohl es noch sehr früh ist, empfinde ich die Temperatur als angenehm mild. Meine Tasche, die ich schon vorher mit Flugblättern gefüllt habe, streife ich mir über die Schulter. In dem kurzen Moment, in dem ich mich an das ungewohnte Gewicht an meiner Seite einstelle, überlege ich mir, wo ich anfangen soll. Gleich der erste Briefkasten gegenüber? Oder soll ich das erste Haus auslassen?

Der Anfang ist immer irgendwie schwierig und kostet ein wenig Überwindung. In solchen Momenten gilt ausnahmsweise: Nicht denken, sondern handeln.

Ich stapfe in die Dunkelheit und steuere den ersten Hauseingang an. Meine Augen müssen sich noch ein wenig an die Lichtverhältnisse anpassen, weswegen es bei den ersten paar Häusern ein wenig dauert, bis ich die Briefkästen finde. Manche sind auch gut versteckt. Im Zickzack laufe ich die dunkle Straße entlang, immer erst die eine Seite, dann über die Straße, im Haus gegenüber ein Flugblatt einwerfend.

So geht es eine Weile. Zuerst geht noch ein kleiner Weg nach links, in den ich einbiegen muss, und dann, am Ende der Straße, geht es nach rechts in die nächste. Inzwischen wird es auch langsam hell.

In einer kleinen Seitenstraße kommt mir plötzlich ein Auto entgegen. Als der Fahrer aussteigt, erkenne ich einen Arbeitskollegen von mir. Er trägt morgens die Zeitung aus und fragt mich, was ich mache. Ich antworte, dass ich Flugblätter verteile. Mein Kollege geht die Treppe zu dem Haus hoch, in dessen Briefkasten ich gerade eine Information eingeworfen habe. Als er wieder herunterkommt, biete ich ihm ein Flugblatt an. Als er es nimmt und sieht, um was es geht, scheint er sich zu freuen. Vielleicht ist man auch in der ländlichen Gegend nicht so begeistert von der Jagd, wie man glauben mag.

Nach diesem kurzen Gespräch setze ich meinen Weg fort. Durch die verwinkelten Straßen führt es mich auch an einer kleinen Wiese vorbei, auf der eine Katze sitzt und mich misstrauisch beobachtet. Bevor ich los bin, habe ich im Internet eine Karte von meinem Dorf ausgedruckt, die dafür sorgt, dass ich den Überblick behalte.

Mittlerweile brennen in den Häusern vereinzelt Lichter. Ich gehe weiter von Briefkasten zu Briefkasten und merke, wie meine Tasche deutlich leichter wird. Ich komme auch wieder am Haus vom Hegering-Leiter vorbei. Der bekommt natürlich absichtlich wieder ein Flugblatt.

Langsam gehen die Broschüren zur Neige. Die 200 bestellten Flugblätter haben nicht für das ganze Dorf gereicht, aber ich hoffe darauf, dass es sich rumspricht, dass es jemanden gibt, der die Leute aufklärt. Hier kennt schließlich jeder jeden.

Das letzte Flugblatt bekommt mein Ortsvorsteher. Langsam laufe ich wieder nach Hause. Auf dem Heimweg kann ich noch die schön gepflegten Vorgärten bewundern. In mir steigt plötzlich eine zufriedene Müdigkeit auf.

Na dann mal sehen, was der Tag sonst noch so bringt …

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